SBU – Schweizerische Buddhistische Union

Traditionen im Buddhismus

Theravada

Diese Schule bezieht sich in Ihrer Praxis und Lehre auf die ursprünglichen Aussagen des Buddha. Grundlage dafür sind die ältesten erhaltenen Schriften des Pali-Kanons. Theravada bedeutet wörtlich »Lehre der Ordensälteren«. Ziel des Theravada ist die Erhaltung der Lehre des Buddha in seinen ursprünglichen zeitlosen und kulturunabhängigen Aussagen – auch für den westlichen Menschen.

Mahayana

Das Mahayana (großes Fahrzeug) entwickelte sich historisch gesehen etwa um die Zeitwende durch die Abspaltung vom Theravada-Buddhismus. Es stützt sich auf die Überlieferung des Sanskrit-Kanon, der zwar nicht mehr komplett vorhanden ist, wohl aber in seinen Übersetzungen ins Chinesische und Tibetische. Typisch für alle später entstandenen Mahayana-Schulen ist die Betonung der Rolle des Lehrers bzw. des in einer Übertragungslinie stehenden Meisters. Zur Mahayana-Tradition gehören insbesondere der Amida-Buddhismus, der Zen-Buddhismus mit ihren jeweils verschiedenen Schulen.

Tibetischer Buddhismus

Der Tibetische Buddhismus setzt sich aus mehreren Schulen zusammen, die sich historisch aus dem späten indischen Buddhismus (insbesondere Vajrayana) entwickelt haben. Der tibetische Buddhismus legt besonderen Wert auf direkte Übertragung von Unterweisungen zwischen Lehrer und Schüler.

Die vier Hauptschulen des Tibetischen Buddhismus sind:

  • Nyingma: Älteste tib. Schule, auf Padma Sambhava (8. Jh.) zurückgehend.
  • Kagyü: Im 11. Jh. von Marpa und dem berühmten Schüler Milarepa gegründete Schule.
  • Sakya: Begründet im 11. Jh. und benannt nach dem Kloster Sakya.
  • Gelugpa: Im 14. Jh. von Tsongkhapa gegründete und reformierte Schule.

Zen-Buddhismus

Das japanische Wort »Zen« ist eine Übertragung des chinesischen Begriffes »Chan«. Dieser geht seinerseits auf die Sanskrit-Bezeichnung »Dhyana« zurück, die »Zustand meditativer Versenkung« bedeutet. In China wurde eine buddhistische Übungspraxis als »Chan« bezeich­net, die die schweigende Sitzmeditation ins Zentrum des Übens stellte. Als ihr Begründer gilt Bodhidharma, der im 6. Jahrhundert aus Indien ins Land kam. Charakteristisch für die Chan-Tradition wurde ferner eine betont alltagspraktische Ausrichtung des Übens, wobei körper­liches Arbeiten als Teil des spirituellen Weges aufgefaßt wird. Dieses erst in China markant hervortretende Profil entwickelte sich wohl im Gegenzug zur verbreiteten Gelehrsamkeit, die sich in anderen Schulen des chinesischen Buddhismus entfaltet hatte.

In Japan sind drei Zen-Schulen verbreitet, die Soto- und die Rinzai-Tradition sowie die kleine Obaku-Richtung, die dem Rinzai-Zen nahesteht. Wesentliche Elemente des Übens, wie es in den Westen übertragen wurde, sind Zazen – Sitzen in Konzentration – und die Alltagspraxis. In der Rinzai-Tradition wird außerdem die Koan-Schulung als eine spezielle Methode zur Überwindung des logisch-begrifflichen Denkens eingesetzt, um die es im Zen generell geht.

Zen findet man gegenwärtig vor allem in Japan, Korea, China, Taiwan, Vietnam sowie in den USA und in Europa. Der Zen ist eine der bedeutenden Schulen des Mahayana-Buddhismus (Großes Fahrzeug), dessen Ideal die Bodhisattva-Motivation ist.

Amida-Buddhismus

Amida-Buddhismus ist der Oberbegriff für alle Schulen des Buddhismus, die den Buddha Amitabha (japanisch Amida) zum Mittelpunkt Ihrer Lehre gemacht haben. Dazu zählen die Reines-Land-Schule, Jodo-shin-shu und Jodo-shu.
Der Amida-Buddhismus personifiziert das höhere Selbst oder die Buddha-Natur als Buddha Amitabha und lehrt Vertrauen in Amida als Weg zur Befreiung. Amitabha, wörtlich »Grenzenloses Licht«, symbolisiert nach dieser Schule Mitgefühl und Weisheit.
Der Amida-Buddhismus findet sich in den Ländern des Buddhismus Ost-Asiens (Japan, China, Taiwan, Korea und Vietnam). Der Amida-Buddhismus ist eine Schule, die zum Mahayana (Großes Fahrzeug) mit dem Bodhisattva-Ideal gehört.